Vorbereitungen für die kapillarmikroskopische Untersuchung

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Ein strukturiertes und standardisiertes Vorgehen sollten für die Erhebung und Auswertung der kapillarmikroskopischen Befunde beachtet werden. Dies vereinfacht den Untersuchungsablauf und erlaubt eine statistische aussagekräftige Auswertung der Ergebnisse. Zudem sind Vergleiche mit den Ergebnissen aus Folgeuntersuchungen besser zu beurteilen. Aus dem klinischen Alltag hat sich bewährt mit der linken Hand des Pat. zu beginnen und die Kapillaren von D5 zu D2 zu untersuchen.

Vor Beginn der Untersuchung sollten folgende Vorbereitungen beachtet werden:

  1. Die Hände oder Füße sind vor der Untersuchung mit Seife und Wasser atraumatisch zu reinigen
  2. Die optimale Raumtemperatur sollte bei 20 bis 25°C liegen. Vor Beginn der Untersuchung passt sich der Pat. für ca. 15-20 Minuten dieser Temperatur an. Dadurch soll eine temperaturbedingte Veränderung des Kapillarflusses reduziert werden
  3. Die Hände befinden sich auf Herzhöhe
  4. Der Pat. sollte 4-6 Stunden vor der Untersuchung kein Kaffee trinken und nicht rauchen.
  5. Die Fingernägel sollten vor der Untersuchung nicht gekürzt werden um traumatisch bedingte Blutungen zu vermeiden
  6. Zur Sichtbarkeit ist die Verwendung von Öl erforderlich. Das Öl sollte dabei folgende Eigenschaften besitzen: dickflüssig, rein, farblos, reflexionsfrei. Bewährt hat sich dabei Zedernöl, Immersionsöl und
  7. Verwendung einer Kaltlichtquelle zur Vermeidung einer Vasodilatation
  8. Nutzung eines Blau- oder Grünfilters zur besseren Abgrenzung der Kapillaren vom Hintergrund
  9. 45 Grad Einstellung der Lichtquelle aus der Fingerspitzenrichtung
  10. Fixierung der Hand und des Unterarms
  11. Weiche Unterlage
  12. Auf den Pat. entspannt einwirken, da Stress den Kapillarfluss reduzieren kann

Es ist zu empfehlen, dass ein einheitlicher Untersuchungsvorgang ausgeführt wird. Wir verwenden diesbezüglich folgenden Ablauf:

  1. Untersuchung aller Finger mit Aussparung des Daumens
  2. Beginn mit der linken Hand von D5 zu D2
  3. Intensivere Untersuchung des vierten und fünften Fingers, da hier Pathologien aufgrund der besseren Kapillardarstellung eher erfasst werden
  4. Aufnahme eines Übersichtsbildes der gesamten Nagelfalz für jeden Finger in einer mind. 100 fachen Vergrösserung
  5. Untersuchung des Nagelfalzes von links nach rechts. Dabei sind in einer Vergrösserung von 240 mind. 4 pro Nagelfalz zu empfehlen.
  6. 10 sekündige Videoaufnahme des Kapillarflusses in maximaler Vergrösserung an der Nagelfalzmitte
  7. Gezielte Bild- und Videoerfassung von kapillarmikroskopischen Pathologien in maximaler Vergrösserung und guter Auflösung
  8. Erfassung der Kapillardichte an der Haut unterhalb des Nagelfalzes. Hierbei sind die Kapillaren im Gegensatz zum Nagelfalz meist nur als kleine Punkte zu erkennen
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