Geschichte der Kapillarmikroskopie

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Die Entdeckung der Kapillaren und die Sichtbarkeit dieser feinen Strukturen reicht bis in das 16. Jahrhundert. Man bedenke das die Lichtmikroskopie ca. 1595 in den Niederlanden entwickelt wurde. Die erste in vivo Untersuchung der Kapillaren am Menschen erfolgte durch den Holländer Boerhaave (1668-1738), der die Mikrozirkulation im Bereich der Konjunktiven erforschte und sich verewigte mit dem nach ihm benannten Boerhaave-Syndrom. Der Amerikaner Lombard untersuchte 1911 als einer der ersten die Hautkapillaren am Menschen und verfeinerte die Methodik mit Vaselineöl, was die Sichtbarkeit der Kapillaren deutlich verbesserte. Lombard gilt als einer der ersten, der die Kapillaroskopie am Nagelfalz entdeckt hat.  Wenige Jahre später wurde diese Methode von Otfried Müller zur systematischen Untersuchung der Kapillaren in “gesunden und kranken Tagen” fortgeführt und seine Mitarbeiter machten dazu die ersten Photographien. In der Arbeitsgruppe von Otfried Müller wurde damit zwei wichtige Werke über die Untersuchung der Kapillaren veröffentlicht: “Die Kapillaren der menschlichen Körperoberfläche in gesunden und kranken Tagen” (1922) und “Die feinsten Blutgefässe des Menschen in gesunden und kranken Tagen” (1937 und 1939). Der deutsche Autor Jaensch veröffentlichte 1929 das Werk “Die Hautkapillarmikroskopie” und stellte Zusammenhänge dar zwischen Erkrankungen und Veränderungen an den Hautkapillaren. 1927 wurde der pathognomische Befund mit Megakapillaren bei Sklerodermie von dem Amerikaner G.E. Brown entdeckt. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die Kapillaren an allen möglichen sichtbaren Körperstellen untersucht und 1966 in dem photographischen Atlas “Clinical capillary microscopy” von E. Davis und Landau veröffentlicht. Weitere intensive Untersuchungen zur Kapillarmikroskopie und ihrer methodischen Verfeinerung findet man in den 80er Jahren. Hier wurde neben der verbesserten Auflösung und der optimalen Lichtverhältnisse auch die Fluoreszenzsmikroskopie angewandt. Hilfreiche Veröffentlichungen ergaben sich aus dem Bodensee-Symposium über Mikrozirkulation von 1983. In der aktuellen Zeit finden sie ausreichende Veröffentlichungen zur Kapillarmikroskopie, die zeigen, dass diese Methode nicht vergessen wurde, sondern weiterhin ein wichtiges Werkzeug in der Medizin bleibt. Bekannte Werke sind dabei zu finden von P. Carpentier, A. Franco und M. Cutolo.

Mit den heutigen technischen Errungenschaften ergeben sich in der Untersuchung der Kapillaren am Nagelpfalz  neue Möglichkeiten.

Einen vollständigen Einblick in das Standardwerk von Otfried Müller finden sie unter dem Link: http://digital.zbmed.de/physische_anthropologie/content/titleinfo/555280. Es lohnt sich defintiv dieses Werk zu lesen v.a. aufgrund der zahlreichen schönen Illustrationen.

Eine sehr schöne Zusammenstellung von kapillarmikroskopischen Bildern mit guten Erläuterungen wurde in dem “Atlas der Kapillarroskopie” von G. Trübestein veröffentlicht. Dieses Buch wird leider nicht mehr gedruckt. Deshalb veröffentlichen wir zeitnah dieses Buch in einem separatem Blog. Dieses Buch ist eine grosse Hilfe zum Erlernen der Kapillarmikroskopie.

Im Blog Illustrationen aus der Geschichte der Kapillaroskopie und Kapillarmikroskopie finden sie die schönsten Bilder aus den beschriebenen Werken.

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